Was würdest Du wagen, wenn Du wüsstest, Du könntest nicht versagen?
2011-11-05 17:11
Es kommt nicht selten vor, dass meine Kunden zu Beginn unseres Gespräches erst mal Dampf ablassen müssen. Egal ob es um den Vorgesetzten geht, die Ehefrau, die Kinder oder andere Menschen im Umfeld. Ärger, Zorn und Frustration sammeln sich an und der Druck wird irgendwann zu groß – manchmal findet man eine Möglichkeit, diesen Druck auf „akzeptable Weise“ los zu werden und manchmal explodiert man im falschen Moment oder bei den falschen Menschen und macht viel kaputt dabei.
Wie gehen Sie mit Ärger und Zorn um? Was ist das eigentlich – Wut? Was für einen Stellenwert geben wir Zorn in unserem Leben? Hier wird es interessant! Wut, Ärger, Zorn, Frustration sind eigentlich nur Gefühle, genau wie Freude, Liebe, Glück usw. Gefühle kommen und gehen und manchmal hält ein Gefühl auch länger an – besonders wenn wir ihm viel Aufmerksamkeit schenken und es somit füttern. Dies übrigens ebenfalls bei positiven wie negativen Gefühlen. Hier kommt also unser Anteil an dem Gefühl hinzu. Wir haben eine gewisse Kontrolle darüber – vielleicht nicht völlig, aber doch zu einem großen Teil.
Wenn also Gefühle entstehen, von irgendetwas ausgelöst werden, dann sind sie plötzlich da wie die Wolken am Himmel. Sie kommen und gehen. Vielleicht verändert sich auch unsere Einstellung zu dem Gegenüber – wir mögen unseren Partner vielleicht für einige Momente nicht, da wir mit dem Ärger beschäftigt sind. So wie wir vielleicht schnell eine Jacke anziehen müssen, wenn die Wolken aufkommen, obwohl wir gehofft hatten Sonnenbaden zu können. Zu einem Problem wird es erst dann, wenn wir anfangen zu urteilen. Der Mensch sollte mich nicht verärgern oder ich sollte nicht so fühlen – genau wie beim Wetter, es sollte nicht regnen, ich will lieber Sonne! Erst dann, wenn wir es bewerten, die Erwartung haben, dass es anders sein sollte – erst dann wird aus dem Gefühl von Ärger ein ausgewachsenes Unwetter!
Wie können wir also sonst mit Zorn und Wut umgehen? Schenken wir diesen Gefühlen doch eine andere Art der Aufmerksamkeit! Nehmen wir doch einfach bewusst wahr, was wir fühlen. Ohne Bewertung! Fragen wir uns doch mal neugierig, was uns so aus der Bahn werfen kann. Welcher „ rote Knopf“ wurde bei uns denn gerade gedrückt? Welche Erwartung wurde nicht erfüllt oder vielleicht sind auch meine Werte, die mir sehr wichtig sind missachtet worden. All das sind wertvolle Informationen. Nun kann ich auch entscheiden, ob es für mich besser ist, erst mal abzukühlen bevor ich weiter spreche, um somit eine Eskalation zu vermeiden. Oder ich kann mich auf das beziehen, um das es wirklich geht und nicht auf den vielleicht kleinen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.
Wenn man wütend und aufgebracht ist, greift man oft den Menschen gegenüber an, anstatt sich über das Verhalten, die gesagten Worte oder die Situation zu sprechen. Dann wird es persönlich und entwickelt sich eher zu einem Angriff und Abwehrverhalten, anstatt zu einer Suche nach einer Lösung und Besserung. Kommunizieren Sie Ihre Gefühle, geben Sie diesen für kurze Zeit Platz und Raum und erklären Sie ebenfalls, was Ihnen nicht gefällt. Sprechen Sie mit „Ich-Botschaften“, so verhindern Sie den Angriff und somit auch ein Defensivverhalten Ihres Gegenübers. Sprechen Sie schnellstmöglich die Themen an, die geklärt werden müssen, damit sich nicht zu viel aufstaut – je mehr der Druck sich erhöht, desto schwieriger wird ein gutes klärendes Gespräch möglich sein. Wenn Sie sehen, dass Ihr Gegenüber negative Gefühle aufstaut, lenken Sie das Gespräch auf eine offene und klärende Aussprache.
Viele von uns sind damit aufgewachsen, Gefühle nicht zu zeigen oder offen auszusprechen, besonders nicht die negativen – ich bin sehr dafür, Gefühle als das zu sehen, was sie sind – Gefühle, die kommen und gehen und je schneller man sie erkennt, akzeptiert und bewältigt, je schneller vergehen sie auch wieder. Machen wir doch lieber mehr Platz für die schönen Gefühle und schenken wir ihnen all die Energie und Kraft, die oft für den Ärger aufgebracht wird. … ich wünsche Ihnen eine gefühlvolle Woche!
Zorn: Ein Windsturm, der die Lampe des Verstandes ausbläst.
Robert G. Ingersoll
Es ist unmöglich, jemandem ein Ärgernis zu geben, wenn er es nicht nehmen will.
Friedrich Schlegel
Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken.
Dietrich Bonhoeffer
Ich war ärgerlich, weil ich keine Schuhe hatte. Da traf ich einen, der keine Füße hatte.
Xu Zhimo
Einen Kommentar schreiben