Buch: Reflexionen

Reflexionen - bringen Bewusstsein in Ihr tägliches Leben von Désirée Steinmann

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Reflexionen der Woche

Lasse ich mich von etwas abhalten?

2010-03-05 21:58

 

Ich habe mich in der Vergangenheit oft dabei ertappt, mich durch die Meinung oder dem Verhalten anderer von etwas habe abhalten lassen, das ich eigentlich gerne getan hätte.

Vor kurzem habe ich wieder eine solche Situation erlebt und einen besseren Weg gefunden damit umzugehen. Mich nicht so wie früher einfach abhalten lassen und auch nicht „sturköpfig" durchsetzen, was beides zu einer gewissen Distanz zwischen mir und dem anderen geführt hat.

Ich war mit meinen beiden Kindern (12 und 13 Jahre) für ein paar Tage verreist. Eines Abends in der Bar nach dem Abendessen war Karaoke angesagt und wir gingen hin. Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich sehr gerne singe, beim Kochen, beim Bügeln, in der Dusche und hin und wieder auch mal bei einer Familienfeier.

Wir saßen also da und keiner machte den Anfang. Alle warteten und der DJ hat alles versucht, um die Besucher zu animieren sich zu melden, damit die Stimmung etwas interessanter wird.

Als sich nichts tat, sagte ich zu meinen Kindern, dass ich mich nun melden werde, damit sich dann vielleicht auch andere trauen, den Schritt auf die Bühne zu wagen. Meine Tochter, die gerade selbst die Liebe zum Gesang findet, fand das in Ordnung, jedoch mein Sohn hatte eine ganz klare Meinung dazu. „Wenn Du aufstehst und zur Bühne gehst, dann verlasse ich sofort die Bar und gehe ins Zimmer!"

Früher hätte ich entweder nicht gesungen oder mich trotzig dagegen gestellt, diesmal jedoch entschied ich mich für einen anderen Ansatz.

Ich war interessiert, warum er diese Haltung einnahm, ohne Bewertung oder Reaktion darauf. Ich fragte einfach nur: „Warum gehst Du, wenn ich singe?" „Weil es mir peinlich ist, wenn Du singst", sagte er. „Peinlich, weil ich nicht gut singe, oder peinlich, weil ich und vielleicht auch Du mehr Aufmerksamkeit bekommen?" wollte ich nun weiter wissen. Dies ist ein guter Reality-Check. Es könnte ja auch sein, dass nur ich denke, dass es sich gut anhört wenn ich singe. Ihm wurde dabei klar was der Grund ist für sein Unbehagen. Nun konnte ich gut mit ihm darüber reden, wie gerne ich singen würde und dass ich mich nicht von seinem Schamgefühl abhalten lassen möchte, wenn es nicht wirklich einen großen Schaden erzeugt. Als ich ihn dann fragte, ob es für ihn wirklich so furchtbar wäre, wenn ich ein Lied singen würde und wir dann danach auch gerne gehen könnten, damit er nicht zu viel Aufmerksamkeit bekommt, war er damit einverstanden, besonders als ich ihm sagte, dass ich es schade fände, wenn er früher geht oder ich mich davon abhalten lassen würde. Er sah auch ein, dass es manchmal gut ist etwas dennoch zu tun, auch wenn andere davon nicht ganz begeistert sind.

Ich habe also gesungen. Direkt danach sagte mir mein Sohn ganz stolz, dass die Leute am Nebentisch begeistert waren und er auch stolz ist auf mich. Meine Tochter hatte noch mit dem Gedanken gespielt auch zu singen, sich dann aber nicht dazu durchgerungen ... vielleicht das nächste Mal! Anschließend sind wir alle drei Arm in Arm zum Zimmer gelaufen und haben uns über den Abend, die Musik und dieses offene Gespräch gefreut.

Wo lassen Sie sich vielleicht von etwas abhalten, das sie wirklich gerne tun würden? Wo können Sie ohne Bewertung bei anderen oder sich selber nachfragen, warum Sie es nicht machen sollen, um einen  Realitäts-Check zu betreiben? Wo können Sie sich den letzten Ruck geben und auf „Ihre Bühne" gehen? Vielleicht ist dieser Brief Ihr Auftakt!?

Ein beeindruckendes Video  

Das Team Hoyt aus Massachusetts, USA, besteht aus Vater (Dick Hoyt, geboren 1940) und Sohn (Rick Hoyt, geboren am 10. Januar 1962), die zusammen an Marathons, Triathlons und anderen athletischen Herausforderungen teilnehmen. Rick leidet seit seiner Geburt an Infantiler Zerebralparese - weil seine Nabelschnur um seinen Hals gewickelt war, wurde sein Gehirn nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Bei den sportlichen Wettbewerben trägt, zieht oder schiebt Dick seinen gelähmten Sohn in speziellen Rädern, Rollstühlen oder Schlauchbooten mit sich.
Auf die Frage, was Rick sich wünschte, für seinen Vater tun zu können, antwortete er "Das, was ich am liebsten täte, ist meinen Vater in den Stuhl setzen und ich würde ihn einmal schieben."

Hier gehts zum Video

 

Zitate 

 

Das Benehmen eines Menschen sollte wie seine Kleidung sein, nicht steif und peinlich akkurat, sondern frei genug, um sich zu bewegen und sich zu bestätigen.

 

Sir Francis Bacon

 

 

Die Welt, ist eine Bühne und die meisten von uns, sind hoffnunglos unerprobt.

 

Seán O´Casey

 

 

Wer singen und lachen kann, der erschreckt sein Unglück.

 

Christoph Lehmann

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